Web-App statt App Store: Die Financial Times mag die neuen App-Store-Regeln nicht und versucht einen alternativen Weg, um auf iPhone & iPad präsent zu sein.

Die "Financial Times" verschwindet aus dem App Store

Apple macht ernst: Wer über ein App Inhalte verkauft, muss 30 Prozent an Apple abführen. Oder aus dem App Store verschwinden. Für Verlage ist dies auch eine Chance.

Apple bietet Verlagen die Möglichkeit, mit einer App auf dem iPhone auch Abos ihrer digitalen Zeitschriften zu verkaufen. Dabei werden die neuen Ausgaben einer Zeitschrift automatisch aufs iPhone geladen und der Kunde hat immer die aktuelle Zeitung dabei.

Das ist eine praktische Sache, hat aber für die Verlage einen kleinen Haken. Zum einen bekommen sie nicht so ohne weiteres die Daten der Kunden - hier muss der Anwender auf dem iPhone explizit zustimmen, dass Apple seine Daten an den Verlag weitergibt -, zum anderen kassiert Apple (wie bei allen Verkäufen via App Store) auch bei den Abos 30 Prozent der Einnahmen.

Diese neuen Regelungen gelten seit dem 1. Juli. Apple hat den Anbietern eine Übergangsfrist eingeräumt, in der sie ihre Apps den neuen Regeln anpassen können. Diese Frist ist nun vorbei - und die Financial Times ist der erste große Anbieter, beim dem Apple jetzt ernst macht.

Denn die Financial Times war mit den geänderten Geschäftsbedingungen nicht einverstanden und hat die FT-App unverändert im App Store gelassen. Damit ist jetzt Schluss, die App wurde von Apple aus dem App Store verbannt.

Natürlich hat die Financial Times es nicht auf einen Konflikt mit Apple ankommen lassen, ohne eine Alternative parat zu halten: Ab sofort kann die Financial Times als Web-App auf dem iPhone oder iPad installiert werden. Da eine Web-App im Grunde eine angepasste Webseite ist und mit dem App Store nichts zu tun hat, muss sich der Anbieter hier auch nicht den Spielregeln des App Stores unterordnen.

Die Web-App der Financial Times ist seit Juni online und soll laut FT sehr erfolgreich sein und deutlich mehr Kunden haben, als die FT-Apps im App Store. Allerdings war der Zugriff auf die Web-App in den ersten 14 Tagen kostenlos, inzwischen ist der Zugriff auf den Inhalt kostenpflichtig.

Es bleibt abzuwarten, ob die Financial Times mit diesem Modell langfristig Erfolg haben wird, aber eins zeichnet sich bereits jetzt ab: Apples Versuch, an der Vermittlung digitaler Inhalte via App Store mitzuverdienen, hat zumindest Startschwierigkeiten.

Zwar haben anderen Anbieter wie Amazon, Barnes & Nobel oder das Wall Street Journal sich noch nicht aus dem App Store verabschiedet, aber sie verkaufen auch keine Inhalte mehr über die Apps, nutzen Apples neues Abo-Modell nicht und müssen also auch keine Gebühren an Apple zahlen. Was für Apple wie eine sichere Einnahmequelle aussieht, könnte sich für Verlage als Chance erweisen, sich von den Restriktionen des App Stores zu befreien.

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Tags: Web-App, Verlage, Abo, App Store, | Autor: Giesbert Damaschke | Datum: 02.09.2011