Steve Jobs (1955-2011)
Die Vorstellung des iPhone 4S wirkte seltsam gedämpft. Jetzt wissen wir, warum.
Apple musste für die Vorstellung des iPhone 4S manche Kritik einstecken. Zu langweilig, zu uninspiriert, zu wenig begeisternd sie die Veranstaltung gewesen. Doch die Männer auf der Bühne wussten etwas, was die Zuschauer nicht wussten: Steve Jobs, von dem viele gehofft hatten, er würde noch einen Kurzauftritt haben, lag im Sterben.
Als die Meldung von seinem Tod einen Tag später bekannt wurde, drängte sie alle anderen Nachrichten in den Hintergrund. Apple tauschte die komplette Homepage durch eine Foto von Steve Jobs aus, alle Medien brachten umfangreiche Nachrufe, im Internet trauerte die Fan-Gemeinde, das Technologie-Magazin Wired trug Schwarz, die beiden großen Konkurrenten Google und Amazon platzierten Links zu Apple direkt auf ihre Startseite.
Bei den vielen Nachrufen schossen manche Autoren mit Titulierungen wie "Weltverbesserer", "iGod" oder "größter praktischer Philosoph der Gegenwart" wohl ein wenig übers Ziel hinaus, doch so ganz verkehrt sind die Superlative auch nicht.
Steve Jobs war für seinen unnachgiebigen Perfektionsmus bekannt (und berüchtigt), er kümmerte sich - als CEO eines Multimilliarden-Konzerns - noch um die kleinsten Details der Produkte, er galt als Kontrollfreak.
Ohne Steve Jobs gäbe es keinen iMac, kein iPhone, kein iPad - um nur die drei wichtigsten Produkte zu nennen. Natürlich hat er diese Produkte nicht in dem Sinne erfunden, dass er an ihrer technischen Entwicklung maßgeblich beteiligt war, aber er war ein technischer Visionär, der seine Ingenieure auf die Spur brachte und das Ziel vorgab.
Dabei hat er nicht nur bewundernswert elegante und einfach zu bedienende Produkte auf den Markt gebracht, die das Leben vieler Menschen erleichtert hat, sondern der gesamten Industrie wichtige Impulse gegeben. Smartphones und Table-PCs gab es auch schon vor dem iPhone oder iPad - aber erst seit es diese beiden Geräte gibt, weiß man überhaupt, was mit diesen Geräten möglich ist. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich die gesamte Industrie iPhone und iPad als Vorbild genommen haben. Nach dem iPhone sahen Smartphones völlig anders aus als zuvor, erst mit dem iPad kam der vor sich hindümplende Tablet-Markt überhaupt in Schwung.
Jobs gab sich nie mit dem Erreichten zufrieden und trieb seine Mitarbeiter zu immer neuen, besseren Produkten an. Sein Ziel war immer klar, er wollte immer das beste, das perfekte Produkt. Er gab die Entwicklungsrichtung vor, er wusste, was die Menschen haben wollen, bevor sie es selbst wussten. Das unterschied ihn deutlich von anderen CEOs der Branche. Anders als der Rest kümmerte sich Jobs nicht um Marktforschung, sondern vertraute seinem Instinkt. Jobs wird von vielen in eine Reihe mit Leuten wie Thomas Alva Edison, Henry Ford oder Walt Disney gestellt - und das wohl zurecht.
Derzeit wird viel darüber spekuliert, wie es mit Apple ohne Steve Jobs an der Spitze weitergehen wird. Doch wer glaubt, dass Apple nun in die Mittelmäßigkeit zurückfallen wird, der unterschätzt wohl Steve Jobs - und Apple. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand wie Steve Jobs, der seit Jahren wusste, dass sein Leben durch den Krebs bedroht wird, sein wichtigstes Produkt "Apple" derart sträflich vernachlässigt haben sollte.
So ist es wenig überraschend, dass etwa im Mai bekannt wurde, dass man sich bei Apple sehr intensiv auf eine Zeit ohne Steve Jobs vorbereitet. So wurde etwa eine "Apple University" gegründet, an der hochkarätige Wissenschaftler das Management von Apple aus-und fortbilden soll.
Apple wird ohne Steve Jobs sicher anders werden - aber das Unternehmen wird wohl nicht damit aufhören, uns weiterhin mit verblüffenden, neuen Geräten zu überraschen und so die Arbeit von Steve Jobs weiterführen.
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